15.06.2015

Review: North Alone – Cure & Disease

Bin ich die Einzige, die den Moment verpasst hat, in dem Osnabrück aus Deutschlands Nordwesten in die Südstaaten der USA umgesiedelt wurde? Oder wie lässt sich der Sound auf North Alone's neuestem Album, der an staubige, einsame Highways erinnert, erklären?


North Alone - Cure & Disease
Ohne Hintergrundinfos würde beim Hören von Cure & Disease, dem neuesten Release von Manuel Sieg aka North Alone, wahrscheinlich niemand auf die Idee kommen, dass diese perfekt als Soundtrack für einen Roadtrip zwischen Fern- und Heimweh verwendbaren elf Songs nicht aus der Feder von Chuck Ragan oder einer ähnlichen Genre-Größe stammen. Wobei diese Unterstellung manchmal vielleicht gar nicht so unberechtigt ist, vergleicht man z.B. den Anfang der Strophen von Scatter My Ashes Into The Sea (North Alone) und Whistleblowers Song (Chuck Ragan). Dass die Stimmen der beiden ihre Ähnlichkeit auch beim gemeinsamen Whiskey- und Zigaretten-Konsum entwickelt haben könnten, hilft auch eher weniger dabei, diesen Eindruck zu verdrängen. Vielleicht ist das Album ja auch eher als eine Hommage an den Herrn aus Florida gedacht, wo doch mit The Road Most Travelled der letzte Track auf denselben Namen hört wie das von Mr. Ragan geschriebene Buch, in dem er ein paar Tour-Anekdoten zum Besten gibt, oder auch das Cover von Live At Skaters Palace die gleiche Aufmachung hat wie Cure & Disease.

Aber jetzt erstmal genug der Vergleiche. Das Album bietet natürlich viel mehr, als dass es nur als billige Kopie abgetan werden sollte; North Alone liefert mit seiner Band im Rücken Songs ab, die die positiven, aber auch weniger rosigen Seiten behandeln, die das Tourleben mit sich bringt; es zieht sich also ein roter Faden durch das Album, das gespickt ist mit Mitsing-Melodien, die einen auch nach dem Hören länger begleiten, als einem lieb ist. Außerdem findet man immer wieder diese Textstellen, hinter die man wegen ihrer Ehrlich- und Geradlinigkeit am Liebsten ein fettes Ausrufezeichen setzen würde und bei denen sich das Publikum in kleinen, schwitzigen Clubs höchstwahrscheinlich in den Armen liegt und voller Inbrunst jedes Wort mitsingt:
„There was a time when punk was more than just a four letter wordmore than a cheap Ramones Print on an even cheaper shirtbut it doesn't really matter which band name's printed on your chestjust as long as a true heart is beating in your breast“ (The Road Most Travelled)
Dass North Alone ein Folk-Punker at heart ist, beweist er mit Songs wie diesem; leider bekommt diese Authentizität durch den Gebrauch einiger stereotypischer Bilder (wie z.B. dem schon oben genannten Whiskey-Konsum), bei denen das Gefühl aufkommt, das doch alles schon mal irgendwo gehört zu haben, winzige Risse. 

Fazit
North Alone erfindet das Genre zwar nicht neu, bereichert dieses aber allemal durch Songs, die es schaffen, den Hörer an einen weit entfernten Ort zu katapultieren, an dem Musik noch ehrlich und handgemacht ist. Dabei wird der Hörer von Track zu Track auf eine ständige Berg- und Talfahrt der Gefühle mitgenommen, die live bestimmt auch wunderbar funktioniert. Cure & Disease verdient einen Platz im Plattenregal eines jeden eingefleischten Folk-Punk-Fans, wo es sich nicht vor Genre-Kollegen und Album-Gästen wie Larry And His Flask oder Old Man Markley  zu verstecken braucht.


07/10
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Künstler: North Alone
Titel: Cure & Disease
Genre: Folk-Punk
Songs: 11
Release: 23.03.2015

(Autor: Milena W.)